Das traditionelle Bogenschießen
Es ist ein Naturerleben! Tief in uns schlummern Fähigkeiten längst vergangener Epochen, die unsere intuitiven Anlagen ausmachen. Erwachen diese Fähigkeiten, so können wir sie fühlen und spüren ihre Wiederauferstehung. Mehr als nur Träumen! Ein bewusstes Sein verdrängt zunehmend das unbewusste Sein. Ein Loslassen von krampfhaftem Festhalten moderner Werte einer Zwangsernährungsgesellschaft. Daraus geht ein neuer Phoenix hervor, der keine Asche bewahrt, sondern das Feuer. "Es" schießt, heißt es im Zen und nicht "man" schießt. Natürlich, ist es genau genommen, das Schiessen aus dem Unterbewusstsein heraus. Das Ziel wird gesehen oder intuitiv erfasst, bei Dämmerung oder in totaler Finsternis. Die Choreografie des Bogenspannens und Lösens, läuft ohne Hilfsmittel (Zieleinrichtung) fließend und gedankenleer, genau auf den Punkt ab, den man im Geiste mit dem Ziel vereint hat. Instinktives Schiessen ist ein freier Ablauf, bei dem nicht nur die Augen (im Zen ist das Ziel nur mit dem geistigen Auge vereint)- Hand und Körper Koordination, unbewusst den Bewegungsablauf in die richtige Position steuern, sondern der gesamte Körper. Es ist die ursprünglichste Art, Bogen zu schießen und bei der Jagd auf flüchtendes Wild die Einzige, die mit Beute und weiterleben belohnt wird. Im fortgeschrittenen Stadium ist es Meditation. Das kontrollierende und analytische Denken fällt beim Schuss völlig weg. Wir schießen immer schneller aus dem Unterbewusstsein. Ein einziger negativer Gedanke an einen gelben Brief z.B.... und daneben. Irgendwann können wir es dann auch langsam, synchron und situationsangepasst und treffen.
Als ich vor vielen Jahrzehnten angefangen habe, war ich so ziemlich alleine auf Wald und Flur. Es gab in den 1970ern noch einige alte Bogenbauer, insbesondere in England. Der "Wikinger" Harm Paulsen, vom Museum Schloss Gottdorf in Schleswig, war sicher einer der ersten Archeotechniker der Ausgegrabenes neu baute. Ich bewundere ihn und schätze seinen Pioniergeist. In Süddeutschland zunächst so ziemlich allein, interessierten sich doch der eine oder andere für die alten Techniken. Immer mehr kamen zu mir, sahen und bauten. Seitdem ich Anfang der 1990er Jahre die Ausstellung „Fossile Mammutwelt“ durch Europa schickte, schossen die ersten Bogenbauer und Parcours wie Pilze. Das waren 20 Jahre, nachdem wir als Kinder mit unseren ersten Bögen auf Pilze geschossen haben. Als Angelika Hörnig die Bogenbauerbibel vor 8 Jahren aus dem US-englischen übersetzte, schwappte der amerikanische Bogenbautrend auf unseren Kontinent über. Ich freue mich über alle die hier ihren Weg gefunden haben und darüber, dass es mehr und mehr unsere europäischen Bogenformen sind, die sich in neuester Zeit manifestieren. Heutzutage finden die meistens Wettbewerbe auf einem Parcours in freier Natur statt.Geschossen wird dort auf 3D-, bzw. Silhouettenziele.
Die ältesten Pfeilspitzen kennen wir aus dem Arterien vor 32 bis 40000 Jahren (Professor Dr. Lutz Fiedler/ Lybien) aus Nordafrika, In Kostienki (siehe meine BR Doku Bilderhölen im Ural) sind 22000 Jahre alte Pfeilspitzen bekannt. Aber auch in Deutschland am Link bei Heinsen und am Mühlenbrink bei Quanthof (Barner) und anderen Plätzen sind sehr alte Pfeilspitzen registriert. Heute kann man davon ausgehen, dass der Aurignacmenschen vor ca. 32000 Jahren im Besitz von Pfeil und Bogen war. Das sind 1000 Generationen, für die der Bogen Jagd und später Kriegswaffe bedeutet hat. Jedes mal ging es ums Überleben. Er hat seine genetischen Spuren in uns hinterlassen. Der Bogen ist als archetypischer Bestand in uns aufgegangen. Spätestens wenn wir einen Bogen in die Hand nehmen und die Natur um uns spüren, öffnet sich uns dieses Tor in eine längst vergangene Welt. So trocken folgende wissenschaftliche Definition ist, welche ich vor 3 Jahrzehnten erdacht und bei unzähligen Führungen immer wieder zitiert habe, um so monumentaler ist ihre Aussage vom Anspruch an Qualität und intuitivem Erfassen der Dinge, die das Überleben in der Steinzeit gesichert haben:
Der steinzeitliche Bogenschütze und Jäger muss aus der Rotationsfähigkeit seiner Wirbelsäule heraus, den fliegenden Pfeil, mit dem flüchtenden Wild, an seiner letalsten Stelle kollidieren lassen, ohne dabei Scherkräfte auf seinen steinernen Projektilkopf auszuüben.
Eine Pfeilspitze ist zerbrechlich. Neunzig Prozent aller jagdlichen Situationen bedeuten flüchtendes Wild. Kleinwild wurde vor 12000 Jahren etwas anders definiert als in späteren Epochen. So wurde auch Bär und Wisent mit Pfeil und Bogen gejagt. Scherte eine Spitze an einer Rippe ab, oder brach sogar, dann konnte sich der Schütze üble Probleme einhandeln, die meist nur von kurzer Dauer waren. Als der ca. 11000 Jahre alte Stellmoorbogen bei Hamburg und der berühmte dänische Holmegård auf Seeland (Dänemark) im Einsatz waren, war der Bogenbau bereits ein Produkt einer Jahrtausende währenden Tradition. Kein Wunder, dass diese eiszeitlichen Bögen im Nachbau aus Ulme, Pfeilgeschwindigkeiten über 65m/Sek. erreichen und wesentlich ausgefeilter sind, als der so oft beweihräucherte American Flatbow. Dieser gefällt mir in seiner indianischen Ausführung wesentlich besser, als die AFB-Variante aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA. In jedem Fall ist man mindestens 11-tausend Jahre zu spät dran gewesen als, man 1929 in den USA behauptete, man hätte die ideale Holzbogenform gefunden.
In meiner Werkstatt und in den Kursen entstehen ausschließlich Bögen ohne Einsatz moderner Materialien wie Glasfieber, Karbon etc.
Ausrüstung
Nur ein guter Schütze trifft. Hat er einen perfekten Pfeil trifft er besser. Kommt dann noch ein passender Bogen dazu, ein Pfeilköcher, ein Armschutz und ein Schießhandschuh kann es nur noch besser werden.
Wie man ein guter Schütze wird und was man alles Wissen muss, dazu gibt es Kurse die am Ende mehr Geld sparen, als sie anfangs kosten. Je mehr man weiß und kann, um so weniger muss man kaufen..
