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Papp und Pick


Unter dem Begriff Leim wurde früher eine Vielzahl von Materialien zusammengefasst.

Gelatine ist seit der Steinzeit bis heute einer der wichtigsten Klebstoffe und als einziger der einst vielen Klebstoffvarianten bekannt

Diese traditionellen Leime bestehen aus stickstoffhaltigen, tierischen Verbindungen, welche in kaltem Wasser unlöslich sind, aber darin quellen.

Erst durch das anschließende Erwärmen (deshalb nennt man ihn auch Warmleim) werden sie löslich und entwickeln ihre Klebkraft. Beim Erkalten gelieren sie zu einer elastischen gallertartigen Masse. Bei Gelatine liegt die gereinigte Substanz vor, welche hauptsächlich aus Glutin besteht und Namensgeber für die ganze Gruppe der Glutinleime ist.

Bei Gelatine welche zum Kochen verwendet wird. Steht die Gelierfähigkeit Im Vordergrund. Bei den Leimen kommt es nicht auf den Geruch oder Klarheit sondern einzig auf die Klebekraft an, welche bei guten Glutinleimen bis 1,6 Tonnen pro Quadratzentimeter sein kann. Beim Bau von Kompositbögen ein enorm wichtiger Faktor.

Heute erhält man im Handel unter der Bezeichnung Glutinleim, je nach dem welches Rohprodukt herangezogen wird Knochen-, Haut- oder Lederleim. Andere Handelsformen nennen sich zum Beispiel Leimperlen, Leimpulver oder Tafelleim. Gefolgt von Qualitäts- bezeichnungen wie Kölner Leim (für hellgelben klaren Leim) oder Schottischer Leim bzw. Wenn Leim aus Haut und hautartigen Teilen gewonnen wird handelt es sich um das sogenannte Kollagen. Diese Leime haben die höchste Klebekraft.

Die besten Leimsorten wurden aus Pergamentabfällen, Leder und Häuten, der gewöhnliche Leim aus Sehnen, Flechsen und ab ca. auch aus Knochen hergestellt. Die Leimausbeute betrug zwischen 18 %(Sehnen) bis 60 % (Häute).

Knochenleim: 

Entweder werden die Knochen mit Salzsäure ( Magensäften ) entkalkt und dann ausgekocht oder die Knochen werden gedämpft (Hochdruckdampf in einer Art Schnellkochtopf, Papinianischer Topf genannt) und der Leim mit Wasser ausgezogen.

Bestimmt keine Steinzeitliche Methode!

Bei dem Säureverfahren wird das Calciumphosphat herausgelöst (dient als Futterkalk und Dünger) und es bleibt eine Art Knorpel zurück, welcher nach dem Waschen mit Wasser zu Leim verkocht wird. Bei Bedarf kann zuvor auch das Fett durch  Kalk herausgelöst werden, wodurch die Säurewirkung schneller einsetzt. Reste von Phosphorkalk geben diesem Leim ein milchiges Aussehen. Beim Dämpfverfahren werden die zerkleinerten Knochen entfettet, gereinigt, durch Dämpfen ausgelaugt, die Leimbrühe gefiltert, eingedampft, erstarren gelassen, mit einem Draht in Scheibengeschnitten und getrocknet. Durch das Dämpfen verliert der Leim etwas an Bindekraft. Um den beliebten klaren Leim zu erhalten wurden u.a. Eichenrinde, Sumach und Albumin eingesetzt, welche Schwebstoffe binden. Die Trocknung der gelierten Masse erfolgt auf Netzen (öfters Wenden, damit die Tafeln nicht ankleben), welche das typische Muster in den Leimtafeln ergeben.

Leim wird schon sehr lange benutzt. In der Altsteinzeit zu Verkleben von Geschosspitzen. Das ist der Grund warum man auf hunderttausenden von altpaläolithischen Artefakten keinerlei Klebstoffreste findet. Da Glutin bei Feuchtigkeit sofort von Bakterien gefressen wird und sich innerhalb weniger Stunden in eine stinkende dünnflüssige Suppe verwandelt und schließlich spurlos verschwindet. Damit die Gelatine verklebung keine Feuchtigkeit zieht wurden die Klebefugen oft mit Baumharz überschmiert, dessen Reste sich gelegentlich in den Poren Altpaläolithischer Geschosspitzen erhalten haben. Man findet diese Reste jedoch immer auf dem Rand der Klebefuge und nie auf der Klebefuge selbst. Dennoch hat es zu der irrigen Meinung geführt man hätte in der Steinzeit mit Harz geklebt.  Im alten Ägypten wurde das Bett der Ehefrau Tut-Anch-Amuns ein Furnier aufgeleimt. Das römische Militär benutzte Schilde, welche aus kreuzförmig verleimten Furnieren bestand, ähnlich unseren heutigen Furnierplatten.

 

Fischleim:

Fischleim entsteht beim Auskochen von Fischhaut, der Schwimmblase oder sonstiger Fischteile von Dorsch, Kabeljau, Stör, Stockfisch u.a.. Hierbei darf aber 50 °C nicht überschritten werden, da sonst die Klebefähigkeit abnimmt. Fischleime sind ebenfalls kaltflüssig und leicht am Geruch erkennbar. 

 

Kaseinleim

Kasein (Käsestoff) ist der wichtigste Eiweißstoff der Milch, welcher zusätzlich Phosphor enthält. Er ist in Wasser quellbar, aber durch das Phosphor wasserunlöslich und muss daher mit Hilfe von alkalischen Verbindungen wie Kalk,  löslich gemacht werden. Mit Kalk aufgeschlossenes Kasein, sog. Kalkkasein, das man früher als Kaltleim verwendete, bildet eines der beständigsten Bindemittel für die Wandmalerei auf bereits trockenem Putz und für Fassadenanstriche. Als feuchtefester Leim taucht Kalkkasein schon sehr früh in der Literatur auf. Etwas weniger witterungsbeständig sind die mit anderen Alkalien aufgeschlossenen Kaseinleime, welche früher u.a. zum Bemalen von Bauernmöbeln verwendet wurden. Früher wurde Kasein aus Quark und zumeist Kalk direkt hergestellt. Heute ist Kaseinleim als Pulver erhältlich, welches 1:1 in Wasser eingerührt wird. Der angerührte Leim ist nicht lange haltbar und sollte nicht in Eisen- oder Kupfergefäßen aufbewahrt werden, da diese angegriffen werden. Während der Trocknung soll das verleimte Objekt mindestens drei Stunden eingespannt bleiben und erst nach 24 Stunden ist die Leimfuge belastbar. Kasein verfärbt gerbsäurehaltige Hölzer wie Eiche. Es gibt relativ viele historische Rezepte mit Kasein. Bei historischen Rezepten wird neben frisch gelöschtem Kalk auch Holzasche zugesetzt. In alten Rezepten wird Kasein auch Käsekalk, Quarkleim, Käsegummi und Casigomme genannt. Ein typisches Rezept besteht aus 3 Teilen Quark und 1 Teil Sumpfkalk.

 

Harz:

von Fichten, Lärchen und anderen Nadelbäumen. Eher ein Kitt (mit Asche vermischt) oder Lack als ein Klebstoff. Dient eher zu isolieren von Klebefugen gegen Feuchtigkeit oder zur stabilisierung von Wicklungen.

 

Birkenpech:

 

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