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Speerschleuder Kurs Herstellung

Weiter Unten findet Ihr Bilder von einem Kurs 2012

Ausschnitt 7

 Die Speerschleuder, Atllatl oder Woomera

Mit Hilfe der Speerschleuder, konnten Speere durch einen Schleuderhebel aus größerer Enfernung auf Beutetiere geschossen werden. Die Speerschleuder wurde bereits im Paläolithikum auf Großwild eingesetzt. Neben der enormen Wurfkraft, war vor allem die geringere Gefährdung der Jäger durch die größere Distanz ein großer Vorteil dieser Steinzeitwaffe. Vor dem Durchziehen der Schleuder wurde der Speer ausgericht, da eine stabile gerade Flugbahn für zerbrechliche steinerne Geschoßspitzen überlebensnotwendig war. Besonders wenn es um gefährliche Beute ging war es wichtig, daß die Projektilköpfe frontal ohne  Scherkräfte aufschlugen, so dass Rippen und Schulterblätter satt durchschlagen wurden und das steinerne Projektil dabei nicht  zerbrach oder abscherte. Durch Speerschleudern wurden  Beutetiere  oft auch von oben getroffen und  verwundet. Das angeschossene Tier ließ sich dann leichter einholen und erlegen. Allerdings gibt es auch Nachweise von gewaltigen Durchschüssen auf  sehr großes Wild wie Mammut und Wollnaßhorn. Man war da nicht zimperlich, genausowenig wie ein wütendes angeschossenes Naßhorn gegenüber dem Schützen wenn dieser nicht richtig getroffen hat. Gute Strategien, Präzision und hohe Wurfkraft waren normal. Wer Aborigies in Australien etwas studiert hat und ihre Fertigkeiten kennt zb. die Woomera der Dinjimanne, der weiß das diese Menschen Intuitive und körperliche Höchstleistungen drauf haben, von denen wir nur träumen können.

Dinjimanne

Kurs

Der  Vielfalt, Formen und Anforderungen sind auch hier keine Grenzen gesetzt und oft derart komplex, dass es in manchen Fällen Jahre dauern wird bis man die Sonderformen perfekt beherrscht. Oft bleiben einige Dinge unerreicht. Das was bei dem drei tägigen Kurs  über das Wunder der Speerschleuder vermittelt wird, kann auch hier nur ein Anfang sein. Voraussetung für diesen Kurs ist, dass man etwas handwerkliches Geschick mitbringt.

Erster Tag: Material, Ernte der Schosslinge in Theorie  oder je nach Jahreszeit Trocken, Hobeln, Tillern,Schleifen.

Zweiter Tag: Hobeln, Nivilieren/ Intonieren, Tillern,Schäften und Befiedern.

Dritter Tag: Verwenden, Umgang und Besonderes

Materialkosten werden extra berechnet. Jeder kann soviel Material selbst mitbringen wie er möchte. Flint, Knochen, Geweih, Sehnen, Hanf und Birkenpech und Dinge dir mir unbekannt sind.

Der Kurs umfasst wie bei allen Kursen drei Tage und Kostet 285 €

Die Mindestteilnehmerzahl bei diesem Kurs sind drei Personen.

Die Anmeldefristen, für die jeweiligen Workshops sind 14 Tage.

 

Die Themen werden in diesen drei Tagen basisvermittelt. In dieser Zeit lernt man was man kann und meist nicht kann. Dann entscheiden sich die Zutaten für den Einzelnen. Nach diesen drei Tagen ist man eine Welt weiter. Wer möchte kann dann weitermachen. Ich nehme selten mehr als 6 Teilnehmer.  Der längste Teilnehmer war 18 Monate bei mir. Dies über Jahre verteilt. Es sind verlängerte Wochenenden an dem man am besten  den Freitag frei nimmt. Also am Donnerstag anreist um Freitag 9 Uhr fit zu sein. Im Winter sind alle Tage möglich. Die Winterkurssaison beginnt am 15 November und endet am 15 April. Der Tagessatz in den ersten drei Tagen ist 95€.

 

 

Schussweiten bis 160m sind keine Seltenheit.

 

Kleine Speerschleuder Spitze

 

Speerschleuder

 

 

Natürlich ist kein findiger Steinzeitmensch mit Geistesblitz vor über 40000 Jahren auf die Idee gekommen justament die Speerschleuder zu erfinden. Genauso wie  Feuer, Faustkeil, Klingenabschlag, Gelatine, Birkenpech, Pfeil und Bogen, ist die Speerschleuder eine Konsequenz der technokratischen Entwicklung des Menschen, welche sich über einen langen Zeitraum der Traditionen und Änderungen in den jagdlichen Alltag manifestiert hat. Oft aus dem Spiel heraus und vielerorts wiederholt passiert und erkannt, entwickeln sich Techniken weiter, da auf erfolgreichem Terrain an der Beute ausprobiert. Das die Speerschleuder ein europäisches Produkt sein soll, ist auf Grund sehr alter Projektilköpfe aus Nordafrika zu bezweifeln. Eines der älteste Fundstücke Europas finden sich im Ural bei Kostijenki und und Frankreich. Dort fallen die frühen Funde in das Solutréen (vor ca. 18.000–16.000 Jahren). Dem obern Magdalénien  bis vor ca. 11.400–10.800 Jahren sind der Großteil der gefundenen Speerschleudern zuzuordnen. Die Speerschleuder ist neben Pfeil und Bogen und der Davidschleuder (Lederschleuder) eines der  ältesten komplexeren Jagdwaffen.  Sie hat sich auf vielen Kontinenten bewährt und angepasst.

 

Im Jungpaläolithikum wurden die Speerschleudern einfacher. Die künstlerischen Elemente verschwanden und reduzierten sich zu den zahlreich aufgefundenen einfachen Hakenschleudern dieser Periode. Am Material der Hakenenden aus Knochen, Elfenbein oder Geweih, änderte sich nicht viel. Auch die Klebstoffe wie Gelatine und Birkenpech bleiben dieselben wie eh und jäh. Spuren von Bienenwachs und Baumharz bilden die üblichen Schutzschichten der wasserlöslichen gelatinösen Verklebungen. Bienewachs und Harz selbst verfügen über keinerlei brauchbare Klebekraft.  Auch wenn diese Stoffe oft als Klebstoffe zitiert werden, ändert es nichts an der Tatsache, dass sie  als Klebstoff unbrauchbar sind und auch für diesen Zweck nicht gedacht waren. Bei Birkenpech ist eine Schutzschicht unnötig, da Wasserfest. Pflanzenfasern, Bast, Sehnen und sogar Haare mit oder ohne Bohrungen dienten zur Befestigung der Schleuderköpfe auf  dem hölzernen Stiel. Eine Befiederung  bringt Stabilität. Ohne Befiederung ist der Speer schneller. Aborigines schaffen einen geraden Flug ohne Federn. Oft ist and der Schleuder selbst eine muldenartige Vertiefung um die Parallele zwischen Speer und Schleuder zu bilden. Die meisten Schleudern sind zwischen 60 und 70 cm lang. Allerdings habe ich schon eine etwas längere gesehen. Die Speere sind auch ganz unterschiedlich und können über zwei Meter lang sein, was nicht immer vorteilhaft ist. Es müssen immer Schleuder, Anatomie des Schützen und Speer auf einander abgestimmt sein. Ebenso wie bei Pfeil und Bogen auch.

Wie oft haben wir gelacht, wenn ein Anfänger der mit dem Vorurteil einer einfachen Funktionsweise, seinen ersten Versuch wagt. Brav in der Aushöhlung am hinteren Ende des Speeres in die Schleuder eingehakt, mit dem verkrampften Versuch, mit der Wurfhand Schleuder und Speer parallel zueinander zu halten, ohne abzurutschen. Meist gelingt nicht einmal das und der Hacken fliegt jedes Mal aus der Mulde. Beim Bewegungsablauf des Durchziehens der Schleuder, fliegt dann meist alles wild irgendwo hin und landet im Gras. Mit der Speerschleuder wird durch die Länge des Hebelarm (Wurfarms) die Wegstrecke in derselben Zeit des Bewegungsablaufes  vergrößert, dadurch erhöht  sich die Geschossgeschwindigkeit gegenüber einem mit der Hand geworfenen Speers. Allerdings ist es Anfangs alles nicht so leicht wie es aussieht, jedoch mit etwas Geduld schnell erlernbar.

Beim Bau werden nur Naturstoffe verwendet. Beim Verkleben darf eine Ausnahme gemacht werden, sofern zumindest ein Exemplar Pur Natur gebaut wurde. Der Grund ist, dass man viel Üben muss um die steinzeitlichen Qualitäten zu erreichen. Als neuzeitlicher Mensch hat man leider nicht immer die Zeit zur Restauration seiner Verklebungen.

Es gib Internationale Wettbewerbe und auch, wie das halt so ist, entsprechnede Regelweke. Als Anfänger sollte man sich erst einmal um das Anfangen kümmern. Papier kann man dann noch immer besorgen, wenn man genug geübt hat. Ich persönlich finde eine gute Funktionalität wunderbar! Die Künstlerische Gestaltung der Wurfköpfe ohne die Funktionalität  negativ zu beeinflussen noch interessanter.

 

Dreier Fertig

 

Nase und Ohr

 

 

Spitzen